Dietwegtrasse - Eine notwendige oder eine überflüssige Straße?

Kommunalpolitik

Am 21.12.2006 hat der Gemeinderat den Grundsatzbeschluss für die Dietwegtrasse gefasst. Gleichzeitig wurde beschlossen, für die Variante “Vollüberdeckelung” einen Antrag auf Aufnahme ins Programm nach dem Gemeindeverkehrsfinanzierungsgesetz (GVFG) zu stellen. Damit würde das Land 70 % des Straßenbaus bezahlen.

Den Rest und die Betriebskosten müsste die Stadt bezahlen. Außerdem wurde beschlossen, für die Trasse zwischen Rommelsbacher Straße und Knoten Efeu das Bebauungsplanverfahren durchzuführen. Damit hat die detaillierte Planungsphase begonnen. Eine Entscheidung über die Straße ist damit noch nicht getroffen. Jetzt wird analysiert und geprüft: Umweltverträglichkeit, Verkehrszahlen, Trassenführungen, Auswirkungen der Straße, Kostenberechnungen usw. Das Ergebnis geht in die Bürgerbeteiligung im Bebauungsplanverfahren, welches in mehreren Schritten zu einem Beschluss kommt. Jeder Schritt beinhaltet eine erneute Beteiligung der Öffentlichkeit. Die Geschichte der nördlichen Umgehungsstraße von Reutlingen beginnt im Juli 1969. 1976 wird festgestellt, dass die Verbindungsstraße zwischen der Rommelsbacher Straße und der Roanner Straße befürchteten Verkehr durch Orschel-Hagen zum Scheibengipfeltunnel verhindern wird. Im Dezember 1978 wird festgestellt, dass die Reutlinger Innenstadt ohne Scheibengipfeltunnel und Dietwegtrasse ein Engpass bleiben wird. Im Dezember 1987 stellt OB Oechsle fest, dass die Straßenbauverwaltung bereit ist, die Dietwegtrasse zwischen Rommelsbacher Straße und Roanner Straße wegen der städtebaulichen Gegebenheiten in einem Tunnel zu führen. Am 23. Juni 1988 wird der Aufstellungsbeschluss für das Bebauungsplanverfahren “B 464 zwischen Rommelsbacher Straße und Knoten Efeu (Dietwegtrasse)” gefasst. Dann ruht das Verfahren, weil zuerst der Beginn der Realisierung des Scheibengipfeltunnels abgewartet werden soll. Im Herbst 2006 wurde der Scheibengipfeltunnel in den Fünfjahresplan des Bundes aufgenommen. Damit ist klar, dass der Bau des Tunnels in den nächsten Jahren, möglicherweise 2008, beginnt. Deshalb wird das Bebauungsplanverfahren für die Dietwegtrasse jetzt wieder aufgenommen. Vor der Entscheidung steht jedoch die Durchführung des Verfahrens. Argumente zur Dietwegtrasse: pro
  • Notwendige Straßennetzergänzung zum Scheibengipfeltunnel.
  • Weiträumige Umfahrung der Reutlinger Innenstadt
  • Reutlingen hat nur eine Ortsdurchfahrt. Das Tal ist vollständig bebaut.
  • Viel Schleichverkehr, vor allem durch die Oststadt, wird damit verhindert.
  • Entlastung der Rommelsbacherstraße, der Karl-, Eberhard- und Lederstraße.
  • Entlastung der Oststadt.
  • Reduzierung der Belastung der Innen-stadtbewohner mit Feinstaub und Stickoxiden.
  • Die Straße ist Bestandteil des Albaufstiegs im Echaztal.
  • Anbindung der Region an Stuttgart.
contra
  • Teile von Sondelfingen, Voller Brunnen und Efeu werden belastet, vor allem durch Lärm.
  • Trotz Deckel wird das Naherholungsgebiet Dietweg beeinträchtigt.
  • Die neue Straße wird zusätzlichen Verkehr anziehen.
  • Lkwfahrer, welche die Autobahnmaut umfahren wollen, benutzen die Straße.
  • Wenig Reduzierung der Belastung der Innenstadtbewohner mit Feinstaub und keine Reduzierung der Stickoxide.
  • Es fehlen neue Zahlen, welche die Verkehrsreduzierung in der Lederstraße belegen.
  • Die Finanzierung der Bau- und Betriebskosten ist nicht gesichert.
Offene Trasse oder Tunnel Der Gemeinderat hat drei Möglichkeiten zur Ausarbeitung und Überprüfung in der Planungsphase beschlossen:
  1. Offene Trasse mit Einschnitten und Lärmschutzwällen.(~ 23 Mio. Euro)
  2. Tunneltrasse mit einem Tunnel im Dietwegbereich. ( ~ 36 Mio. Euro)
  3. Offene Trasse mit Grünbrücken ( ~ 30 Mio. Euro)
Die Wirkung der Trassen und die Kosten müssen allerdings erst noch genau berechnet werden. Im Bereich des Dietwegs ist ein Tunnel möglich, der jährliche Folgekosten von 135.000 € verursacht. Im Bereich der Bahnlinie muss die Straße allerdings aufgeständert werden, damit sie die Bahn überqueren kann, wenn sie nicht mit der Roanner Straße gebündelt wird. Keine Wirksamkeit – Ergebnis der Prüfung im März 2007 Die erneute Überprüfung der verkehrlichen Wirkung ergibt, dass keine Entlastung der Innenstadt durch die Dietwegtrasse eintritt. Deshalb gibt es keinen Grund, diese Straße zu bauen. Der Generalverkehrsplan von 1999 wurde durch die Sachverständigungen Herr Kölz und Herr Topp bestätigt.